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    SERENDIPITÄT

    Die besten Geschäftsbeziehungen beginnen mit einem Zufall

    · 5 Min. Lesezeit · August 2026

    Die besten Geschäftsbeziehungen in meinem Leben sind nicht auf Messen entstanden. Nicht auf LinkedIn. Nicht in CRM-Pipelines. Sie sind durch Zufälle entstanden: ein Tinder-Match, ein Brauhaus, eine Lederhose am Tegernsee.

    Lass mich mit dem Tinder-Match anfangen, weil es die absurdeste Geschichte ist. Ich hatte auf einer Dating-App ein Match mit einem Mädel, das — wie sich herausstellte — bei einem Lieferanten arbeitete. Romantisch wurde es nichts, aber ich hab mir ein paar Notizen in meiner App gemacht: Name, Firma, Rolle, worüber wir gesprochen haben.

    Viele Monate später erzählte mir jemand von einer Person bei genau dieser Firma. Und weil ich mir die Details notiert hatte, konnte ich innerhalb von Sekunden sagen: „Ah, die kenne ich — die arbeitet in der Abteilung XY und ist für Z zuständig.“ Der Gesprächspartner war beeindruckt. Ich wusste: Danke, gescheitertes Tinder-Date.

    Der Wirtschaftswissenschaftler Christian Busch beschreibt in seinem Buch „The Serendipity Mindset“ (2020): Glückliche Zufälle im Business passieren nicht einfach — sie werden kultiviert. Wer nach zufälligen Begegnungen aktiv Notizen macht und offen für unerwartete Zusammenhänge bleibt, steigert die Wahrscheinlichkeit für wertvolle Zufälle um ein Vielfaches. Serendipität ist keine Glückssache — sie ist eine trainierbare Fähigkeit.

    Oder die Lederhosen-Geschichte. Auf einem Event in London habe ich jemanden aus den USA kennengelernt. Und weil wir nicht beim Üblichen stehengeblieben sind — „What do you do? Cool, we should connect on LinkedIn“ — sondern wirklich geredet haben, über Reisen, über Kultur, über das Leben, kam raus, dass er kurz danach zum ersten Mal in München sein würde.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab den Kerl in eine Lederhose gepresst, wir sind zum Tegernsee gefahren, und er hat die echte bayerische Erfahrung gemacht. Keine PowerPoint, kein Pitch, kein „Let me send you my deck.“ Stattdessen: ein gemeinsames Erlebnis, das wir beide nie vergessen werden.

    Und genau das ist es, was Beziehungen wirklich zusammenhält. Nicht Visitenkarten. Nicht LinkedIn-Connections. Sondern gemeinsame Geschichten. Momente, in denen man zusammen gelacht hat. Erlebnisse, auf die man sich noch Jahre später beziehen kann.

    Granovetters „Strength of Weak Ties“-Theorie (1973) wird durch neuere Forschung gestärkt: Eine LinkedIn-Studie mit 20 Millionen Nutzenden (Rajkumar et al., 2022, veröffentlicht in Science) bestätigte, dass weak ties — lockere Bekanntschaften — signifikant häufiger zu neuen Jobchancen führen als enge Kontakte. Jeder zufällige Kontakt, den du festhältst, ist eine potenzielle Verbindung zu einer Welt, die du noch nicht kennst.

    Die ehrlichste Geschichte hab ich mir fast für mich behalten: Ich hab mal an einem vollkommen normalen Sonntag einen alten Kontakt angeschrieben, der bei einer Partnerfirma gearbeitet hatte. Wir hatten seit Jahren keinen Kontakt. Und ja — der Abend endete auf meiner ersten Kinky Party. Das hat nichts mit Business zu tun. Aber alles mit dem Prinzip: Jeder Outreach kann irgendwohin führen. Meistens dahin, wo du es am wenigsten erwartest.

    Was all diese Geschichten gemeinsam haben: Sie wären nicht passiert, wenn ich die Zufälle einfach laufen gelassen hätte. Das Tinder-Match wäre vergessen. Der Typ aus London wäre eine Visitenkarte in einer Schublade. Der alte Kontakt wäre ein Name, den ich nicht mehr zuordnen kann.

    Der Unterschied ist: Ich habe die Details festgehalten. Nicht in einem CRM. Nicht in einer Excel-Tabelle. Sondern dort, wo ich sie schnell wiederfinde — und wo sie automatisch dem richtigen Kontakt zugeordnet werden.

    Zufälle passieren jedem. Die Frage ist, ob du sie festhältst oder ob du sie vergisst. Und ob du sechs Monate später noch weißt, wer der Mensch war und worüber ihr geredet habt.

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