Zurück zum Blog

    NETWORKING

    Die Weihnachtsfeier, die ich gecrasht habe — und was sie über Netzwerken verrät

    · 5 Min. Lesezeit · Juli 2026

    Ich hab mal eine fremde Weihnachtsfeier gecrasht. Nicht weil ich betrunken war oder mich in der Tür geirrt habe — sondern weil ich mir dachte: Challenge accepted.

    Es war Abend in München, ich lief an einem Restaurant vorbei, sah drinnen eine Firmenfeier einer Firma, deren Namen ich nicht mal kannte. Und statt weiterzugehen, bin ich einfach sehr selbstbewusst am Türsteher vorbeigelaufen. Der hat nichts gesagt. Und dann stand ich drin und dachte: Okay, und jetzt?

    Die Problemstellung war klar: Wie erlange ich das Vertrauen von Leuten, die mich nicht kennen? Wie kriege ich hin, dass niemand mich infrage stellt? Meine Lösung: Ich habe den Typen mit der teuersten Uhr angesprochen.

    Wir haben uns erst über Uhren unterhalten — das ist immer ein guter Einstieg, wenn jemand offensichtlich Geschmack hat. Dann habe ich ihm immer weiter persönliche Fragen gestellt. Was ihn beschäftigt, was seine größten Herausforderungen sind, was gerade top of mind ist. Und jedes Mal, wenn er etwas über mich wissen wollte, habe ich ihm einfach eine Gegenfrage gestellt.

    Der Soziologe Mark Granovetter bewies 1973 mit seiner „Strength of Weak Ties“-Studie: Schwache Verbindungen — flüchtige Bekanntschaften, Zufallskontakte — liefern häufiger neue Jobchancen und Geschäftsmöglichkeiten als enge Freunde. Der Grund: Sie verbinden unterschiedliche soziale Netzwerke und transportieren Informationen, die im engeren Kreis nicht zirkulieren.

    Drei Stunden lang habe ich mit den Leuten geredet, getrunken, gelacht. Dieser Typ mit der Uhr? War der CEO. Und als ich irgendwann aufgeflogen bin, passierte nicht das, was man erwarten würde: Kein Rauswurf, kein peinliches Schweigen. Der CEO und der Head of Sales haben mir ihre Visitenkarten gegeben und gefragt, ob ich bei ihnen arbeiten möchte.

    Warum? Nicht weil ich besonders clever war. Sondern weil ich aufrichtig neugierig war. Ich habe zugehört. Ich habe Fragen gestellt, die über „Und was machst du so?“ hinausgingen. Und das ist im Networking so selten, dass es sofort auffällt.

    Eine fMRT-Studie der Harvard University (Tamir & Mitchell, 2012) zeigt: Wenn Menschen über sich selbst sprechen, aktiviert das dieselben Belohnungszentren im Gehirn wie Essen oder Geld. Wer seinem Gegenüber echte Fragen stellt und aufmerksam zuhört, gibt ihm buchstäblich ein neurologisches Belohnungsgefühl.

    Die meisten Leute netzwerken falsch. Sie gehen auf Events und erzählen jedem ihren Elevator Pitch. Sie verteilen Visitenkarten wie Flyer. Sie optimieren ihr LinkedIn-Profil und nennen es „Personal Branding“. Aber sie vergessen das Einzige, was wirklich zählt: sich für den anderen zu interessieren.

    Networking ist kein Performance-Sport. Es geht nicht darum, möglichst vielen Leuten möglichst schnell zu erzählen, wie toll man ist. Es geht darum, dem anderen das Gefühl zu geben, dass er der interessanteste Mensch im Raum ist. Weil er es in dem Moment auch ist.

    Ich sage nicht, dass du fremde Weihnachtsfeiern crashen sollst. Aber ich sage: Die nächste zufällige Begegnung — im Aufzug, beim Kaffee, auf der Messe — ist eine Chance. Nicht für deinen Pitch. Sondern für eine echte Frage.

    Denn das ist die Ironie: Je weniger du über dich redest, desto interessanter wirst du. Und je mehr du über den anderen herausfindest, desto wahrscheinlicher wird aus einem Zufall eine Beziehung, die hält.

    Das Problem ist nicht der Mangel an Begegnungen — sondern dass wir die Details dieser Begegnungen vergessen. MyBrivio merkt sich, was du erfährst, damit du beim nächsten Treffen dort anfangen kannst, wo das letzte aufgehört hat.

    Bescheid sagen, wenn es losgeht

    Wir verwenden Cookies und Google Analytics, um unsere Website zu verbessern. Analytics wird nur mit Ihrer Zustimmung aktiviert. Mehr erfahren